Was ist ein “Schland”?

Dtl-Fahne

Selbst absoluten Fußball-Hassern dürfte ein Wort momentan nicht entgehen. Es heißt “Schland” und geistert durch Presse und Musikwelt. Was aber ist ein Schland? Vielleicht ein Tier, das in Sümpfen lebt? Oder etwa das, was ein Bagger bei der Vertiefung eines Flussbettes zu Tage fördert? Eine Spurensuche…

Zuerst einmal versuchen wir uns an dem Nachschlagewerk der deutschen Sprache, dem Duden. Ich blättere… Schl… Schla… Schlan… “Schlampig” finde ich, als nächstes “schlang” als Vergangenheitsform von schlingen. Das wars aber auch schon. Der Duden scheint also keine geeignete Informationsquelle zu sein.

Aber: Zum Aufgeben wäre es zu früh. Also mache ich es wie jeder halbwegs informierte Internet-Nutzer und gebe “Schland” bei Wikipedia ein. Als erste Info erhalte ich den Eintrag: “Ähnlicher Begriff: schwand“. Auch kein Treffer. Allerdings steht unter den Suchtreffern auch etwas über “Uwu Lena (Weiterleitung von „Schland o Schland“)”. Das könnte es sein. Daher: Draufgeklickt.

Als Ergebnis erhalte ich nun einen recht langen Eintrag zu einer Band namens “Uwu Lena”, mit folgendem ersten Absatz: “Uwu Lena sind eine achtköpfige Musikgruppe aus Münster. Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2010  nahmen sie unter dem Titel Schland o Schland eine Coverversion  des Eurovision-Song-Contest-Siegerliedes Satellite von Lena Meyer-Landrut auf und landeten damit in Deutschland einen Charterfolg.”

Aha. Uwu Lena hat also den Eurovisions-Song von Lena Meyer-Landrut geklaut und einfach einen eigenen Text drübergelegt. Jetzt würde mich aber doch interessieren, wie das klingt. Erste Anlaufstelle: Youtube.

So. Jetzt habe ich also über drei Minuten blanken Unsinn genossen, weiß aber endlich Bescheid. Ein “Schland” ist also unser Land, in dem wir leben – Deutschland. Ok. Da hätte man auch so drauf kommen können. Deutschland. Alles klar!

Bei Wikipedia ist außerdem zu lesen, dass die Band sich vorwiegend aus Münsteraner Studenten zusammen setzt. Jetzt könnte wieder einer sagen: Ja, ich habe es immer gewusst. Selbst die Studenten unterliegen heute einem Kulturverfall, der seines Gleichen sucht. Nein, soweit möchte ich nicht gehen.

Was ich mir aber nicht verkneifen kann: Nicht der Kulturverfall ist unser Problem, sondern die Dummheit der Menschen. Wer an einem derart blöden Song auch noch Spaß hat, der ist entweder bereits mit einigen Bierchen gesegnet oder hat ein äußerst schlichtes Gemüt – um es zurückhaltend auszudrücken. Wenn es nur ein paar hundert Leute wären, geschenkt. Wenn der Song nach ein paar Tagen wieder verschwinden würde (ja, ich weiß: dieser Artikel ist in diesem Punkt kontraproduktiv!), alles klar. Aber es sind nur nicht ein paar Leute, und der Song wird uns auch noch über die Weltmeisterschaft hinaus begleiten. Und das nur, weil die Menschheit mehr und mehr verblödet.

So etwas macht schon nachdenklich…

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