Eis als Luxusartikel?

Auch wenn es in Wirklichkeit gar nicht so ist, wie es scheint: Der Mensch empfindet seit einigen Jahren die Teuerungsrate als inflationär. Gerade jetzt in der warmen Jahreszeit obsiegt aber erneut subjektive Empfinden. Sie glauben das nicht? Dann schauen Sie doch einfach an einer Eisdiele in Ihrer Nähe vorbei…

Ich kann mich noch genau erinnern: Mitte der 1990er Jahre schlenderte ich durch die Innenstadt der unterfränkischen Kleinstadt Kitzingen, und von Zeit zu Zeit gönnte ich mir ein leckeres Eis. Die Kugel kostete damals 50 Pfennig, was aber trotzdem ein Loch in meinen Geldbeutel riss, wenn ich zu oft ein Eis genoss.

Immer teurer durch den (T)Euro?

Als am 1. Januar 2002 der Euro eingeführt wurde, kostete die Kugel Eis von heute auf morgen nicht mehr 50 Pfennig oder etwa 25 Cent, nein, die Eisdielen entschieden sich dafür, einfach die Währung auszutauschen und gleich 50 Cent zu verlangen. Dabei blieb es auch für einige Zeit, um die Kunden nicht weiter zu schocken und zu verärgern. 2007 erhöhte meine Stammeisdiele, mittlerweile im oberfränkischen Bamberg, ihre Preise dann von 50 auf 60 Cent, 2008 auf 70 Cent und nun auf 80 Cent. Binnen drei Jahren hat sich die Kugel Eis also um mehr als die Hälfte verteuert. Zu beobachten ist auch, dass Erhöhungen sofort 10 Cent betragen, wo es doch auch ein 5-Cent-Geldstück gibt.

Nein, an der neuen Währung können die Preissteigerungen sieben Jahre nach dem Euro-Start nicht mehr liegen. Scheinbar geht es den Pächtern und Besitzern der Eisdielen noch immer zu gut, sie müssen keine Preiskämpfe veranstalten. Denn die Laufkundschaft nimmt zwar sichtlich ab, gestern stand kein Mensch am Tresen, um sich ein Kugeleis zu kaufen. Dafür sitzen die Stühle vor der Eisdiele noch immer voll, und hier zahlen die Kunden ohne Protest die viel zu hohen Preise.

Lieber zu Hause

Wenn mich drei Kugeln Eis satte 2,40 Euro kosten (das sind immerhin, man vergesse es nicht, etwa 4,80 Deutsche Mark!), gehe ich lieber in den nächsten Supermarkt, kaufe mir eine Box und esse mein Eis zu Hause. Oder: Ab ins nächste Schnellrestaurant, denn dort schmeckt das Eis, auch wenn es sich um Softeis handelt, ziemlich gut.

Was tun? Sinnvoll wäre es, den Eisdielen schlicht und einfach zu zeigen, dass eine solche Preispolitik nicht funktionieren kann. Dabei ist Bamberg natürlich nicht die Spitze des Eisbergs, in so mancher Stadt kostet die Kugel bereits einen Euro und mehr. Aber: Nur wenn die Kunden auch reagieren, sind Veränderungen möglich. Und dass die Kunden durchaus Macht haben, hat nicht erst die Diskussion um Mitarbeiterüberwachung bei LIDL gezeigt: Nach Bekanntwerden des Skandals spürte das Unternehmen deutlich, dass es nicht nur seine Mitarbeiter, sondern auch seine Kunden verärgert hatte.

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