Berliner Hundstage, Bamberger Rotztage

Bamberg Weihnachten

Zuerst muss ich mich für den zweiten Teil des Titels dieses Blogbeitrags entschuldigen. Aber ich konnte (und wollte) es einfach nicht anders ausdrücken. Denn: Ich bin zwar ein Gegner des ständigen Draufhauens auf die Jugend von heute (früher war’s auch nicht besser), stelle aber mit wachsendem Alter fest: Irgendwas läuft da schief…

Montagmorgen. Ich lese in meiner Tageszeitung und stoße dabei auf einen Beitrag von Hildegard Stausberg. Die Autorin ist diplomatische Korrespondentin von “Die Welt” und schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne auf der Meinungsseite der Zeitung. Thema diesmal: “Berliner Hundstage”, nachzulesen hier. Eine kurze Zusammenfassung: Frau Stausberg steigt in Berlin in die S-Bahn, nimmt gegenüber einer älteren Dame Platz und auf einmal bildet sich eine Pfütze unter ihren Füßen. Zitat: Die Frau schräg gegenüber muss wohl meinen fragend erstaunten Blick aufgefangen haben. Sie hebt den Kopf gegen die Wagentür und sagt nur: “Det war’n Hund – eben sind die beede raus.” Ich scheine so entgeistert geschaut zu haben, dass sie noch mal nachlegt: “Na, ick sage Ihnen doch: Det war’n Hund, na so’n janz jroßer. Der junge Mann hat ihn hier einfach so hinpinkeln lassen.”

Wenige Stunden später laufe ich durch die Innenstadt von Bamberg, genieße gerade eine leckere fränkische Bratwurst und schlendere an den Schaufenstern der Geschäfte vorbei. Von hinten überholen mich zwei Jugendliche, vielleicht 17 Jahre alt, während ich gerade wieder in mein Bratwurstbrötchen beiße. Kaum sind sie einen Meter vor mit, dreht sich einer der beiden um, gibt komische Geräusche von sich, spuckt mir vor die Füße und meint gehässig: “Na, schmeckt’s?!?” Eine Frau bekommt das mit, schüttelt den Kopf, ich schweige (was mir aufgrund des gefüllten Mundes in diesem Moment als richtig erschien).

Später denke ich dann für mich selbst: Hätte ich reagieren sollen? Hätte ich es auf eine Konfrontation ankommen lassen sollen? Jeder kennt solche Situationen – im Nachhinein ist man eben immer schlauer.

Hildegard Stausberg schreibt als Fazit am Ende ihres Beitrags: Mich erschreckt, dass die einfachsten Regeln von Anstand und Benimm immer weniger eingehalten werden. Die Hilflosigkeit angesichts der um sich greifenden Verwahrlosung des öffentlichen Raums macht mich traurig – und wütend. Treffender hätte ich es auch nicht ausdrücken können.

Foto: Johannes Michel, Martinskirche in Bamberg

Sie können diesen Artikel kommentieren, oder ein Trackback senden.

Kommentar verfassen

Powered by WordPress | Designed by: buy backlinks | Thanks to Ventzke & Partner, internet marketing and House Plans
Directory powered by Business Directory Plugin