Gottschalk Live: Das ist zu wenig!

Gottschalk live, Folge 8

Vor zwei Wochen startete Thomas Gottschalk sein neues Projekt in der ARD: “Gottschalk Live” heißt die Sendung, die eine Art Late-Night-Show im Vorabend-Programm sein soll. Die erste Folge sahen noch über vier Millionen Zuschauer, zuletzt brachen die Quoten aber auf 1,5 Millionen ein. Und eine Stabilisierung ist nicht abzusehen. Gottschalk holt nicht mehr Zuschauer als die Quotenflops, die vorher den gleichen Sendeplatz belegten. Eine Analyse…

Die Zutaten für eine Late-Night-Show sind klar: Tagesrückblick in humoristischer Art und Weise und Gäste, die etwas Spannendes beizutragen haben. Harald Schmidt könnte hierzu sicherlich mehr sagen – wobei auch er in letzter Zeit unter äußerst schlechten Quoten leidet. Klar ist aber: Das Late-Night-Konzept hat sich abgenutzt. Wegen ein paar humoristischer Einlagen und einem prominenten Gast schaltet heute niemand mehr den Fernseher an.

Promis sind nicht die Quotenbringer, für die sie immer gehalten werden. Auch “Wetten Dass?” machte nicht wegen der Gäste, sondern wegen der Wetten Spaß und war so ein Quotengarant fürs ZDF. Warum müssen nun Thomas Gottschalk und sein Team unbedingt eine Late-Night-Show, ein “Wetten Dass?” ohne Wetten im Vorabendprogramm zeigen? Warum muss überhaupt in jeder Sendung ein Gast eingeladen werden? Behält die Redaktion das  Sendungskonzept bei, werden sich auch weiterhin immer weniger Zuschauer vor dem Fernseher versammeln, da sie genau wissen, was auf sie zukommt.

Wenig Überraschendes, zu viel in zu kurzer Zeit

Der Überraschungseffekt, siehe “Wetten Dass?”, “Deutschland sucht den Superstar”, “Wer wird Millionär” oder “Rach, der Restauranttester” ist gerade, dass es zwar ein festes Konzept gibt, der Zuschauer aber nie weiß, was in der Sendung passieren wird. Und genauso müsste auch Gottschalk seine Sendung angehen. Heute ein prominenter Gast, morgen ein Monolog über ein aktuelles politisches Thema mit Befragung der Facebook-Nutzer, übermorgen Vorstellung eines neuen Internettrends und in der letzten Sendung der Woche am Donnerstag ein “aus dem Leben gegriffener” Gast. Natürlich darf sich der Ablauf dann in der Folgewoche nicht wiederholen – wie wäre es mit Berichten von einer Technikmesse oder der Vorstellung neuer Kinofilme oder “Gottschalk on tour”, der ein Elektroauto ausprobiert? Natürlich könnte die Redaktion auch einfach die zahlreichen Facebook-Nutzer fragen, was sie in der Sendung sehen möchten – das wäre dann echte Social-Media-Einbindung, wie sie eigentlich versprochen war.

Wo bleibt die groß angekündigte Social-Media-Einbindung?

Die Möglichkeiten wären vielfältig. Nicht immer müsste Gottschalk die gesamte Sendung live moderieren, es könnten auch Einspieler (die es übrigens viel zu selten gibt) bereits vorher aufgezeichnet werden – nicht im Studio, sondern an anderen Orten. Und: Die Sendung muss weg vom Durchhetzen zwischen Werbungen und Wetter und darf sich nicht auf einen quasselnden Thomas Gottschalk verlassen. Der ist zwar ihr Zugpferd, wenn er aber nach einigen Wochen seine ganze Wetten-Dass-Prominenz eingeladen hat, dann bleibt die Frage: Was soll jetzt noch kommen?

Weitere Tipps erhalten Thomas Gottschalk und seine Redaktion gerne bei mir. Vor einem halben Jahr hatte ich ein Vorabend-Konzept ausgearbeitet und an die Verantwortlichen der ARD gesendet, unter anderem an den Chefredakteur und die Vorsitzende. Die Antwort: Das sei zu mutig, zu modern und ließe sich in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal nicht umsetzen, höchstens in einem der dritten Programme. Vielleicht wäre jetzt die Zeit zum Umsteuern…

Bild: ARD/Philipp Hageni

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